05.03.2012, Nürnberg

Harald Horstmann
Rund 50 Buchhändlerinnen und Buchhändler kamen am 05.03.2012 auf Einladung der VVA-Gruppe zur 14. Sortimentertagung nach Nürnberg. Gastgeber Harald Horstmann und sein Team stellten auch in diesem Jahr wieder ein abwechslungsreiches Programm zusammen.
So startete nach der Begrüßung der Geschäftsführer der VVA-Gruppe, Stephan Schierke, mit seinem Vortrag und informierte die Anwesenden über aktuelle Veränderungen und Neuerungen. Hierbei wagte er, wie er selbst sagte, ein kleines Experiment, indem er sich von der „klassischen“ Powerpoint-Präsentation löste, und hauptsächlich durch Bildmaterial unterstützt durch seinen Vortrag führte. Inhaltlich blickte Stephan Schierke u.a. auf die Meilensteine des Jahres 2011 zurück und erläuterte die neue Online-Lieferbarkeits-Abfrage, die den Sortimentern zukünftig erlauben wird, die Verfügbarkeit von Artikeln (lieferbar, knapp, vergriffen) aus ihrem Warenwirtschaftssystem heraus abzufragen.
Harald Horstmann nutzte anschließend die Gelegenheit mit tatkräftiger Hilfe von Gerhard Gerlach (Starick Buchhandlung, Berlin) vor Ort empirische Marktforschung zu betreiben. Herr Gerlach öffnete diverse mitgebrachte Kartonagen und prüfte hierbei kritisch, wie komfortabel dieser Öffnungsvorgang funktioniert. Per Handzeichen wurde am Ende dieser Live-Demo abgefragt, wie die anwesenden Sortimenter die vorgestellten Kartonagevarianten im Hinblick auf Handhabbarkeit und Wiederverwendbarkeit bewerten. Insgesamt erhielt die VVA-Gruppe ein wichtiges Stimmungsbild und im Rahmen der Diskussion wertvolle Hinweise, die bei den weiteren Überlegungen einfließen werden.
Im Anschluss an den Ausflug in die Welt der Kartonage folgte der Wechsel in die digitale Welt. Mike Röttgen, bei arvato publisher services zuständig für die digitale Distribution von E-Books, präsentierte das Leseprobentool von BIC Media. In diesem sogenannten „Blätter-Widget“ können Buch-Leseproben ohne großen technischen Aufwand auf jeder beliebigen Website eingebaut werden. Hierzu benötigt der Buchhändler weder eine spezielle Software noch eine eigene Serverinfrastruktur. Inzwischen gibt es rund 75.000 Leseproben in BIC Media, die vom Handel kostenfrei eingebunden und genutzt werden können. Viele Detailinformationen hierzu findet man unter www.bic-media.com.
Nach der Kaffeepause referierte Aline Eckstein vom „E-Commerce Center Handel“ beim Institut für Handelsforschung in Köln zum zentralen Tagungsthema „Mobile-Commerce: Bedrohung oder Chance?“. Sie berichtete über die aktuellen Erkenntnisse zum Shoppen mit dem Smartphone und nannte konkrete Zahlen: 55 Prozent der mobilen Einkäufer kaufen am liebsten Bücher und jeder zehnte Kunde informiert sich vor einem Kauf im Internet über sein Produkt oder über die Firma. Frau Eckstein hatte auch konkrete Empfehlungen für die Tagungsteilnehmer, wie z. B. die Generierung neuer Zielgruppen mit mobilen Formaten, die Integration des M-Commerce in den Marketing Mix sowie die Schaffung neuer Zugangswege durch mobile Präsenz. Sie motivierte die anwesenden Sortimenter, Social Web Plattformen aktiv zu nutzen, um z. B. zu posten, wann wieder eine Lesung stattfindet oder wann welche Novität in der Buchhandlung verfügbar ist. In der anschließenden Diskussion hinterfragten die Sortimenter intensiv, ob sich der zeitliche und finanzielle Aufwand, den die neuen Themenfelder wie Soziale Netzwerke und Mobile Commerce dem einzelnen Buchhändler abverlangen, am Ende wirklich lohnt.
Den Vortragsblock beendete Carsten Schulte vom Egmont Verlag. Er leitet dort das Online-Marketing und bot seinen ZuhörerInnen einen Einblick in die Überlegungen eines Verlags, wie sich das Buchmarketing im und durch das Online-Marketing verändert. Ganz praktisch erläuterte er hier die Facebook-Aktivitäten des Verlags und wie hier gute Responsequoten und ganz eigene Communities entstehen. Er ermutigte den Buchhandel in seinem Vortrag ebenfalls solche Wege zu gehen, wobei sein Credo „Evolution statt Revolution“ ist und er sicher ist, dass man „lieber 2 Schritte nach vorn und einen zurück“ gehen sollte als gar nichts zu tun. In diesem Kontext verwies er darauf, dass die größte Hürde meist die Unwissenheit und nicht die Technologie ist. Deshalb empfiehlt er auch keine Wissensmonopole aufbauen, sondern gemachte Erfahrungen – gute wie schlechte - mit anderen zu teilen. So lautete seine abschließende Botschaft an die Sortimenter auch: „Spielen Sie ihre Stärken auch online aus!“. Mit Aspekten wie Beratung, dem Dialog mit den Kunden, den zu erzählenden Geschichten und gutem Service kann der Handel auch online seine Kunden ansprechen.
Nach den Fachvorträgen begaben sich die Gäste dann mit einer historischen Straßenbahn auf eine Stadtrundfahrt der besonderen Art.
Und genauso historisch wie das Rahmenprogramm begonnen hat, wurde es mit dem Abendessen im DB-Museum fortgeführt. Umgeben von altehrwürdigen Lokomotiven, Waggons und Güterwagen wurden viele Fachthemen vertieft, Meinungen und Erfahrungen ausgetauscht und so auch die ein oder andere neue Idee für die eigene Buchhandlung entwickelt. So endete die Sortimentertagung 2012 in Nürnberg erst zu später Stunde und wurde unisono von den Gästen und den Gastgebern als sehr gelungen bewertet.
